Artikel: Sächsische Zeitung Online

Klingenberger Asylunterkunft steht noch halbleer

Nur die Hälfte der Plätze im größten Asylheim im Landkreis ist belegt. Schon gibt es erste Ideen für eine Nachnutzung.

Von Stephan Klingbeil, sz-online, 03.03.2017

Klingenberg. Derzeit ist nur rund die Hälfte der Plätze im Klingenberger Asylheim besetzt. 286 Asylsuchende können in dieser größten Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises untergebracht werden. Es gibt im Landkreis noch die Asylheime in Altenberg-Zinnwald, Gohrisch-Cunnersdorf und Pirna, die alle von der kreiseigenen Grundstücks- und Verwaltungsgesellschaft Sächsische Schweiz mbH (GVS) betrieben werden. Für die fünfte Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises in Schmiedeberg ist derweil die ITB-Dresden zuständig.

In dem Plattenbau an der Salzstraße sind nach aktuellen Angaben aus dem Klingenberger Meldeamt ungefähr 85 Prozent aller 162 Asylbewerber aus der Gemeinde gemeldet. Die Gesamtzahl der Asylsuchenden dort hat sich damit im Vergleich zum Vormonat um 41 verringert.

Da gegenwärtig immer weniger Menschen in Deutschland Asyl suchen, muss auch der hiesige Landkreis immer weniger Flüchtlinge für die Dauer ihres Asylverfahrens unterbringen – seit Jahresbeginn hat der Bund dem Landkreis 112 Asylsuchende zugeteilt. Der zuletzt stetige Rückgang von Neuregistrierungen würde dann langfristig betrachtet ebenso die Gemeinschaftsunterkunft an der Salzstraße betreffen – auch wenn der Kreis den Mehrgeschosser weiter am Netz lassen will für den Fall, dass er neue Flüchtlinge unterbringen muss.

Angesichts der allgemein rückläufigen Flüchtlingszahlen gibt es nun aber schon erste Ideen aus Klingenberg zu einer möglichen Nachnutzung des Gebäudes. „Es ist erneuert und umgebaut worden. Nach einer Nutzung als Asylunterkunft könnte das Haus doch für den Sozialen Wohnungsbau genutzt werden“, regt so zum Beispiel Gemeinderat Thomas Schumann (CDU) an. Daran mangele es in der Gemeinde.

Kein sozialer Wohnungsbau

Die vier Wohnblöcke der kommunalen Wohnanlage „Am Sachsenhof“ im Ortsteil Klingenberg, die die Gemeinde ab diesem Frühjahr binnen vier Jahren für fast zehn Millionen Euro sanieren will, würden jedenfalls nicht unter sozialen Wohnungsbau fallen. Die Gemeinde sei aber angehalten, künftig auch für finanziell schwächere Mieter Wohnraum anzubieten.

Doch ob dafür ausgerechnet das Klingenberger Asylheim taugt? Bürgermeister Torsten Schreckenbach (BfK) ist eher skeptisch. „Derzeit ist das kein Thema, und ich kann mir das eigentlich nicht so richtig vorstellen“, sagt er. Allerdings sei das zuvor private Gebäude vom Landkreis gekauft und komplett ertüchtigt worden. „Daher würde es sich in der Zukunft schon lohnen, sich über eine Nachnutzung Gedanken zu machen.“ Doch das könne dauern. Schreckenbach geht davon aus, dass der Landkreis das Gebäude noch länger als Asylunterkunft nutzen will, um Plätze vorzuhalten. Die kreiseigene GVS sieht indes keinen Bedarf, über eine Nachnutzung zu reden. Im Gegenteil. Im Unternehmen geht man davon aus, dass der Plattenbau auch „in den nächsten Jahren“ als Unterkunft für Asylbewerber dienen wird. Erst Ende dieses Monats sollen die im Oktober 2015 begonnenen Bauarbeiten in und an dem Hochhaus abgeschlossen sein. Mit dem Bau der südlichen Rettungstreppe soll die insgesamt zirka 2,8 Millionen Euro teure Frischekur enden. Aus brandschutztechnischen Gründen sei zuletzt nur ein Teil des Hauses genutzt worden. „Sobald alle Arbeiten abgeschlossen sind, kann das Objekt mit maximal 286 Personen belegt werden“, teilt die GVS auf Nachfrage der SZ mit.

Keine konkrete Zahl der Asylbewerber

Zu der Frage, wie viele Asylbewerber aber derzeit tatsächlich dort wohnen, gibt es unterschiedliche Angaben. Laut GVS leben in dem Gebäude 179 Asylbewerber. Dem Klingenberger Meldeamt zufolge sind es aber mit Stand vom 28. Februar 138 Asylsuchende, die in dem Heim gemeldet sind.

Im Landratsamt verweist man indes auf die Angaben der GVS. Diese seien aktuell. Und aus der Gemeinde heißt es: Die Zahlen können sich durchaus von Tag zu Tag ändern. Angemeldet werden die Asylbewerber aber zunächst im Landratsamt. Von dort aus würden die Daten direkt an die Behörden in den Kommunen weitergeleitet.